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24. Juli 2008

China Kurz vor Olympia wird die Blogsphere aufgemischt

Aktuell laufen die Vorbereitungen für die 29. Olympischen Sommerspiele in Beijing auf Hochtouren. In nur 15 Tagen soll dann der planmäßige Startschuss für die chinesischen Spiele fallen. Und um eine möglichst sachliche und "korrekte" Berichterstattung zu gewährleisten, sollen nun noch einmal die heimischen Blogger genauer betrachtet werden. Nach mehreren Verhaftungen von unbequemen Schreibern in der Vergangenheit knüpfen die Offiziellen in China nun weiter an. Den Anfang macht ein 43-jähriger Autor, der aus seiner Bewährungszeit nicht unbescholten herausgekommen ist.

Dem chinesischen Blogger Du Daobin wurde bereits im Jahr 2004 vorgeworfen, dass er auf einem Blog gegen den Staat hetzt und diesen in ein falsches Licht rücken möchte. Grund genug für die chinesische Regierung um Daobin den Prozess zu machen. Dabei kam er noch halbwegs glimpflich mit einer Bewährungsstrafe davon. Diese wurde bis zum 04.08. dieses Jahres ausgesetzt. Der Blogger hat offensichtlich nicht geahnt, welche Folgen seine Blogeinträge haben könnte.

Doch die Regierung war alles andere als begeistert über seine im Internet zur Verfügung gestellten Artikel. Insgesamt verfasste er im Laufe seiner Karriere weit über 100 internationale Textbeiträge. Unter anderem hat er in seinem Blog amtierende Politiker als unzulässig, korrupt, unfair und brutal bezeichnet. Erst vor kurzem hat Du Daobin seinen Wohnort gewechselt, ohne die Regierung über seinen Umzug zu informieren. Die Details über den Ablauf der Verhaftung werden von der Regierung geheim gehalten. Wieso eine derartige Verschwiegenheit an den Tag gelegt wird, ist bislang unklar aber sicherlich nicht grundlos. Ohne Zweifel steht jedoch fest, dass der Autor einer der bekanntesten virtuellen Regimekritiker ist. In diesem Zusammenhang hat die chinesische Regierung bereits weitere Pläne über die olympische Blogger-Kampagne verlauten lassen. Wer sich im Netz kritisch über die Regierung auslässt, sollte auf der Hut sein. Den offiziellen Angaben zufolge war Du Daobin nur der Erste. Viele weitere sollen noch folgen.

Aus europäischer Sicht pflegt China einen sehr eigenartigen Umgang mit Regimekritikern. Die Hardliner haben ihr Augenmerk besonders auf Äußerungen von Bloggern oder Journalisten im Internet gerichtet. Zur Freude und Unterstützung der Leidtragenden setzten sich mittlerweile immer mehr chinesische Menschenrechtsorganisationen für die Angeklagten ein. Erst kürzlich gerieten auch die US-amerikanischen Firmen Google, Microsoft und Yahoo ins Kreuzfeuer der Blogger. Dabei wurde kritisiert, dass die Großkonzerne einen hohen Anteil zur Verhaftung von Shi Tao, dem chinesischen Journalisten,  der vertrauliche Regierungsgeheimnisse im Internet veröffentlicht hatte, beigetragen haben. Für die nächsten Wochen ist damit zu rechnen, dass weitere Verhaftungen von unliebsamen Bloggern in China stattfinden werden. In den Regierungskreisen wünscht man sich ein möglichst sauberes und friedliches Olympia. Die Kritik aus den Reihen der eigenen Bevölkerung würde da nur stören. (gS-)

(via betanews.com, thx!)

  • 2 Kommentare zum Artikel
  • Hmm, früher, als die olympischen Spiele noch ausschließlich von Griechen, zu Ehren des Zeus abgehalten wurden, wurden diejenigen ausgeschlossen, die während dieser Zeit Kriege führten. So geschehen, mit den Spartanern. Wenn man das wieder einführen würde und Verletzungen der Menschenrechte noch zusätzlich auf die Liste setzen könnte, wären das recht einsame Spiele. Ich wär dafür.

    Zenotaph am 24.07.2008 15:35
  • Um es kurz zu machen: Mir gehen die (diesjährigen) olypischen Spiele sowas vom am Arsch vorbei. (Ich denke das darf man mal so direkt sagen) Viele Sponsoren haben ja mittlerweile auch gemerkt, dass es eher negativ ist, offen als Sponsor aufzutreten und schalten dementsprechend keine Werbung, bzw. weisen eben nicht stolz drauf hin. Einzig Eon macht hier die Aussnahme, wohlwissend, dass man so oder so auf deren Energie angewiesen ist und deren ...

    DasFragezeichen am 24.07.2008 16:09
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