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24. Juli 2008
Filesharing in UK Kulturflatrate soll Musikdownloads legalisierenVernunft war das Paradigma im Zeitalter der Aufklärung. Gut 250 Jahre nach den französischen Enzyklopädisten und zehn Jahre nach Napster kommt das Konzept langsam auch in der Politik an. In Großbritannien wird heute von zwei Ministern der Gordon Brown-Regierung ein Paket von Vorschlägen präsentiert, welche zum Teil einen pragmatischen Umgang mit Filesharing fordern. Für eine jährliche Gebühr von 30 Britischen Pfund soll laut einem der Vorschläge jeder britische Internetnutzer Musik aus Filesharingnetzen und anderen heute noch illegalen Quellen beziehen dürfen. Die britische Zeitung "The Independent" berichtet auf ihrer Website, dass Wirtschaftsminister John Hutton und Kulturminister Andy Burnam heute ein umfassendes Paket mit Vorschlägen präsentierten, wie man der prekären Einnahmesituation im Musikbusiness Herr werden kann. Neben der bereits beschlossenen Maßnahme, 12.000 erfassten Filesharern während des Sommers Warnbriefe zu schreiben (was schon in Schweden nichts bewirkt hat und auch in den USA nichts bewirken wird) wird dabei diskutiert, dass die Internetanbieter Filter installieren, um Filesharing zu behindern, sowie die aus Frankreich bekannten Methode, mehrmals erwischten Piraten die Internetleitung zu kappen. Allerdings bekommt auch jener Vorschlag ein Forum, wonach mittelfristig eine jährliche Steuer in Höhe von 20 bis 30 Pfund (umgerechnet momentan 25 bis 38 Euro) pro Internetuser für Musikdownloads festgesetzt wird. Diese soll die Verluste kompensieren, die angeblich durch illegale Downloads verursacht werden. Auf diese Art würde der Tausch von Musik de facto legalisiert werden. Die Einnahmen aus dieser Steuer sollen an die Künstler je nach "Erfolg" der einzelnen Songs gerecht verteilt werden. Die endgültige Entscheidung, wie man gegen Filesharer vorgeht, soll im Frühjahr getroffen werden, nachdem der Erfolg der Warnbrief-Aktion ausgewertet worden ist. Peter Jenner, Ex-Manager von The Clash und in der Vergangenheit bereits aufgefallen durch positive Äußerungen zur Kulturflatrate, gab gegenüber dem Independent erneut ein zustimmendes Statement ab. Der jährliche Verlust von 1,2 Milliarden Pfund bei den Plattenfirmen könnte durch die Steuer ausgeglichen werden. "Wenn man genügend Leute dazu bringt, einen kleinen Geldbetrag zu zahlen, kann man den Kurs der Musikindustrie umkehren." Wünschenswert wäre die Kulturflatrate, welche auch in Deutschland bereits seit Jahren von der Initiative FairSharing gefordert wird, zweifelsohne. Sie würde etwas entkriminalisieren, was in großen Teilen der internetaffinen Bevölkerung alltäglich ist und ohne großes Unrechtsbewusstsein praktiziert wird. Die Methode hätte auch den Vorteil, dass Filesharing sichtbar bliebe. Man müsste schon sehr naiv sein, anzunehmen, das "Problem" Filesharing sei in den Griff zu kriegen durch harte Strafandrohungen. Allenfalls würde es verlagert werden: Zu One-Click-Hostern, in geschlossene Freundesnetzwerke wie RetroShare und Alliance oder hin zur sprichwörtlichen tragbaren Festplatte, die auf dem Schulhof von Hand zu Hand wandert. Mal ganz abgesehen davon, dass Provider-seitige Filtermaßnahmen bereits seit längerem dank Protokollverschleierungsverfahren in den meisten P2P-Applikationen überwunden sind.
Eine Kulturflatrate in einem Land, welches einen der größten und wichtigsten Musikmärkte der Welt darstellt, hätte sicher eine internationale Signalwirkung. Dennoch sollte man dem Vorschlag nicht nur positiv gegenüberstehen. Wie man aus der Kritik an der in Deutschland vergleichbar operierenden GEMA ersehen kann, dürfte ein System, dass die Einnahmen aus der Steuer fair an die Künstler verteilt, nicht leicht zu finden sein. Sollte die Verteilung an der puren Anzahl an Downloads eines Musikstückes gemessen werden, wäre das System leicht zu manipulieren. Auch ist abzusehen, dass die einen enormen Einfluss besitzenden Vertreter der Musikindustrie gegen eine liberale Regelung, wie man mit Filesharing umgeht, Sturm laufen dürften. Auch die Anbieter legaler Musikdownloads dürften etwas dagegen haben. Ferner ist längst noch nicht geklärt, wie man mit dem Download von Filmen und Software umgehen will. Es bleibt interessant auf der Insel. (fraencko) [via The Independent] Trackbacks
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